Die Geburt unseres kleinen Fjonn Theodor

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Die Geburt unseres Kindes war für mich bisher der aufregendste Moment in meiner kleinen Welt. 9 Monate lang trug man den Spatz im Bauch, spürrte ihn immer mehr und die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Wie ist es ihn das erste Mal im Arm zu halten? Wie wird er aussehen? Wie wird er riechen? – Meine Mama sagte, Babys hätten einen ganz tollen Geruch und sie hätte damanls 24/7 an uns schnuppern können. ^^ Ich war so dermaßen gespannt, das war kaum auszuhalten.

Natürlich oder per Kaiserschnitt?

Nach mehrmaligem Mocksen, vielen indischen Brücken und wachsender Hoffnung, kam dann leider doch die unschöne Nachricht: Der kleine Spatz hat sich nicht mehr gedreht! Er lag noch immer in Beckenendlage (BEL) – also mit dem Köpfchen oben anstatt unten. Bis dato hatte ich mir immer eine natürliche Geburt ausgemalt. Es sollte eine Wannengeburt werden und ganz spontan und natürlich beginnen. Meinem Wunsch entgegen, sollte es nun jedoch ein geplanter Kaiserschnitt werden. Das war nicht das was ich wollte! Die glückliche Vorstellung einer natürlichen Geburt verschwomm immer mehr und wurde durch die wachsende Angst vor einem Kaiserschnitt eingenebelt. Frau Doktor riet mir, ich solle mir doch nun langsam einen Termin zur Risikosprechstunde geben lassen, um die OP zu planen. Nun stand es also fest? Ein Kaiserschnitt? Nein, das wollte ich so nicht akteptieren. Es musste doch auch noch einen anderen Weg geben. Schließlich haben die Ftauenvor 100 Jahrenauch noch keinen gehabt. Ich googelte mir sofort Infos zu “Geburt aus BEL” zusammen und laß, dass es auch möglich ist aus dieser Lage natürlich zu gebären. Entegegn der – unserer Meinung nach schlechten und unpersönlichen – Beratung im ersten Krankenhaus bei der Risikosprechstunde, bei der man das Gefühl hatte man sei nur eine Nummer, möchte schnell weiterarbeiten und es gäbe nur diese eine Option, sprich Kaiserschnitt, haben wir uns in einem weiteren und BEL-Geburten-freundlichen Krankenhaus beraten lassen. Dieses anthroposophische Haus hat sich, hingegen zum ersten, viel Zeit für uns genommen und uns ausführlich über die Möglichkeiten und Risiken aufgeklärt.

Trotz der guten und ausführlichen Beratung, blieb noch immer ein wenig Angst in uns zurück. Was wäre, wenn trotz Go des MRTs das Köpfchen stecken bleibt, durch einen Wehenstopp beispielsweise? Könnten wir mit der Schuld leben, dass unser Kind eine geistige Behinderung davon trägt, nur weil Mama und Papa es probieren wollten? Unsere Antwort lautete: Nein! Auch wenn der Kaiserschnitt nicht unserer Wunschvorstellung entsprach, war uns das Risiko einer natürlichen Geburt einfach zu groß. Dann musste ich mich wohl oder übel unters Messer legen. Da die Kaiserschnittrate im ersten Krankenhaus hoch war und die Risikostatistik die niedrigste im Umkreis, entschieden wir uns trotzdem dort meinen Kaiserschnitt zu planen.

Exkurs: Die natürliche Geburt aus Beckenendlage

Eine solche Geburt ist grundsätzlich möglich, birgt aber gewisse Risiken. Bei einer natürlichen Geburt aus Schädellage kommt das Köpfchen zuerst auf die Welt. Der somit größte und sperrigste Teil wird zuerst geboren und weitet den Geburtskanal. Der Körper kann mit der nächsten Wehe meist unkompliziert nachrutschen und das Baby ist auf der Welt. Bei der Geburt aus BEL hingegen, kommen der Popo oder aber auch die Füßchen zuerst. Der somit größte Teil des Baby wird erst danach geboren. Hier kann einiges passieren (muss aber nicht!). Zuallererst ist es so, dass der Körper des Kindes zuerst kommt und somit die Nabelschnur zum Teil bereits immer schon mit geboren wird. Der Geburtskanal ist also durch diesen noch nicht für den Kopf vorgedehnt und der Prozess bis das Baby geboren wird könnte nun etwas länger dauern, da hierfür mehr Wehen benötigt werden könnten. Das wohl Kritischste ist, dass während dessen die Nabelschnur vom Köpfchen im Geburtskanal zu lange abgedrückt werden könnte und das Gehin des Kindes zu wenig Sauerstoff bekommt. Darüber hinaus können noch die Ärmchen hochgeschlagen sein, was das ganze zusätzlich erschweren würde, die Wehentätigkeit könnte abnehmen oder die Beinchen verkanntet sein. Um sicher zu gehen, dass das Baby durch das Becken der Frau passt, wird mittlerweile vor einer jeden BEL-Geburt ein Screening in der Röhre gemacht. Diese MRT-Untersuchung ist für die Schwangere und das Ungeborene angeblich nicht schädlich und kann vorab mit großer Sicherheit zeigen, ob eine natürliche Geburt möglich ist oder ein Kaiserschnitt notwendig wird. Das Begleiten einer solchen Geburt fordert trotz alledem geschulte Hebammen und Ärzte. Nicht in jedem Krankenhaus sind dem Personal die geforderten speziellen Handgriffe zum Drehen des Kindes und “Entkanten” bekannt. Daher sollte sich jede Frau, die sich eine natürliche Geburt aus BEL zutraut, ein Krankenhaus mit dem nötigen Know-How aufsuchen. Auf Hebamme4u.net kann man sich Kliniken anzeigen lassen, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben.

Der Tag der Tage: Die Geburt

Ich muss sagen, es ist schon komisch zu wissen: Morgen kommt mein Baby! In meiner Vorstellung bekam ich Wehen, die Fruchtblase platzte, mein Mann griff hecktisch die Krankenhaustasche und wir fuhren wie wild ins KH. Irgendwie ging durch die Kaiserschnittentscheidung ein Stück der Magie verloren. Andererseits wussten wir natürlich auch, wofür wir sie getroffen htten; das Wohl unseres Kindes. Und das ist letztendlich die Hauptsache!

Am Vortag der Geburt sollte ich mich nachmittags im KH noch nach der OP-Zeit erkundigen. Ich rief also an und mir wurde gesagt, wir sollen um 10 Uhr im Kreissaal erscheinen. Als wir abends beim Essen saßen bekam ich vor Aufregung kaum einen Bissen herunter. Mein Magen kribbelte und ich war so unheimlich aufgeregt. In weniger als 24 Stunden würde ich mein Baby in den Armen halten. Mannoman, war das ein Gefühl! Auch in der Nacht bekam ich nicht viel Schlaf. Wie denn auch? Dieser Tag sollte mein Leben für immer verändern. 🙂

Um halb 10 erreichten wir das Krankenhaus. Wir meldeten uns offiziell an und waren pünktlich um 10 Uhr am Kreissaal. Daraufhin wurde uns ein eigener Saal zugewiesen und mir die OP-Kleidung mit den wunderschönen Trombosestrümpfen gereicht. ^^ Dann hieß es zum letzten Mal Ultraschall, CTG und Blutdruck messen, bevor ich Richtung OP geschoben wurde. Ich hatte bis dato die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich der kleine Mann vielleicht doch noch gedreht haben könnte – leider vergebens. In einem Vorraum des OPs kam der Anästesist zu mir und begrüßte mich. Er bemerkte meine Aufregung, erklärte mir den OP-Ablauf und machte ein-zwei Späße, sodass ich mich etwas beruhigte und mich gut aufgehoben fühlte. Nach etwa 10 Minuten bat man mich aufzustehen und auf den OP-Tisch zu setzten. Mit diesem wurde ich dann in den Saal geschoben. Jetzt wurde es ernst!

Ab da ging alles rasend schnell. Die PDA wurde gesetzt und binnen Sekunden spürrte ich meine Beine schon nicht mehr. Kurz darauf war auch mein Rumpf bis unter die Brust taub. Mein Mann kam etwa eine halbe Minute später herein. Parallel wurde bereits der erste Schnitt gesetzt. Gerald saß links von mir und strich mir über die Stirn. “Es wird alles gut mein Schatz. Gleich sehen wir unseren Sohn.” sagte er beruhigend. Auch wenn er versuchte entspannt zu wirken, sah ich in seinem Gesicht ebenfalls Anspannung. Na klar, auch sein Leben würde sich schlagartig ändern. Er würde gleich Vater werden. Kurz darauf schaute der Arzt über die grüne Abdeckung zwischen meinem Kopf und dem OP-Bereich und sagte “Sie haben es fast geschafft. In weniger als einer Minute ist ihr Baby da!”. Was? So schnell ging das? Ich kann gar nicht mehr sagen an was ich alles gedacht habe und wie die Zeit verging. Ich war so unter Spannung, dass dies im Nachhinein komplett weg ist.

Hallo kleiner Mann

Und da war er. Der erste Schrei unseres kleinen Mannes. Kurz aber stark. Unsere Motti – namens Fjonn Theodor – war geboren. <3 Der Arzt hob ihn über das Tuch und wir erhaschten einen ersten Blick auf das geknautschte, trotz der Schreie verzerrte aber dennoch süße, Gesichtchen. Kaum fassbar.. Da war er nun! Nach so vielen Tagen in Mamas Bauch würde ich ihn nun in meinen Armen weiter tragen. Bevor ich unseren Spatz jedoch das erste Mal halten durfte, wurde er zum schnellen Check von einem Kinderarzt untersucht. Gerald ging mit in den Nebenraum und durfte dort noch ein Stück der Nabelschnur abtrennen. In der Zwischenzeit wurde bei mir bereits die Plazenta entfertnt und mein Bauch wieder Schicht für Schicht genäht. Der Anästhesist spritzte mir ein Wehenmittel, damit sich die Gebärmutter durch die darauffolgenden Kontraktionen wieder natürlich zusammenziehen konnte. Er warnte mich vor, es könne nun ein Druck auf meinen Lungen zu spüren sein. Und tatsächlich hatte ich schwups das Gefühl als würde sich ein kleiner Elefant auf meinen Brustkorb setzen. Da der nette Anästhesist mir durch seinen Humor Panik und Angst nehmen konnte, war es halb so wild. Schlecht wurde mir nicht. Dies könne wohl öfters mal vorkommen – sogar bis zum Erbrechen führen. Davon blieb ich glücklicherweise verschont.

Als Gerald und Fjonn zurück kamen, wurde er mir direkt auf die Brust gelegt. Da meine Arme noch immer links und rechts ausgebreitet lagen, legte man ihn mir ganz nah an mein Gesicht, sodass ich seine Körperwärme auf meiner Wange spüren konnte. In diesem Moment liefen mir die Tränen. Ich kann nicht annähernd in Worte fassen, wie es sich anfühlt, seinem eigen Fleisch und Blut das erste Mal Hallo sagen zu dürfen. Es ist schlicht wahnsinnig überwältigend. <3 Seine Augen waren geschlossen und sein Gesicht so unheimlich süß und rosig. Er war ganz still und kuschelte sich an mich heran. Die Wärme meines Körpers schien him zu gefallen. ^^ Nach ca. 2 Minuten, in denen ich ihn nur anstarrte und vor Glück nicht mehr aus dem Lächeln kam, wurde Fjonn mit Gerald in den Kreissaal gebracht. Der OP war recht kalt und so war es besser sie sollten im warmen auf mich warten.

Die darauffolgenden Minuten vergingen, im Gegensatz zu den vorangegangenen, gefühlt deutlich langsamer. Ich wollte nur noch schnell zu meinen beiden Schätzen. Die Angst vor der OP war mittlerweile komplett verflogen und mein ganzer Körper nur noch voller Glückshormone. Ich war stolze Mama eines Jungen. Wäre ich nicht an den OP-Tisch gefesselt gewesen hätte ich Bäume ausreißen können. 😀 Nach weiteren 10 Minuten wurde ich endlich in Richtung meines Kreissaals geschoben. Die Tür ging auf und da saßen die beiden. “So sieht ein stolzer Papa aus.”, dachte ich mir. Sie stellten mein Bett ab und Gerald legte mir prompt den Kleinen auf die Brust. Er war in ein Handtuch gewickelt und hatte nur eine Pampers an. Es war wunderbar, seinen weichen, warmen Körper auf meinem zu spüren. Ich war ganz vernarrt in ihn. Wollte ihn nie wieder loslassen und hoffte dieser wunderbare Moment würde nie enden. So lagen wir eine ganze Stunde. Zwischendurch kam eine Hebamme herein und fragte ob alles in Ordnung sei. Da Fjonni nach ca. 20 Minuten anfing nach der Brust zu suchen, half sie mir beim ersten Anlegen. Das klappte sofort super und meine ganze Stillangst war wie weggefegt. Man kann es ein wenig beschreiben wie “Man weiß einfach wie es funktioniert!” Es ist ganz komisch zu erklären, wie eine Art Instinkt. ^^

Gerald erzählte mir nachher er habe, als er während der OP mit dem Kleinen in den Kreissaal vorgeschickt wurde, dort ganz alleine mit ihm ganz gesessen. In den Minuten des auf-mich-Wartens habe er ein wenig Angst um Fjonni gehabt, da niemand zwischendurch herein kam und fragte ob alles ok sei. Gerald habe sich kein Stück bewegt und ihn ganz eindringlich beobachtet. Ob er noch atmet sagte er, weil er einfach nur ganz ruhig da lag und nicht – hingegen seiner Erwartungen – schrie. 😀 Süß!

Die Geburt per Kaiserschnitt war im Nachhinein trotzdem magisch – eben auf eine andere Art und Weise als es bei der natürlichen Geburt der Fall ist. Der Augenblick in dem man sein kleines Glück das erste Mal sieht und in den Armen hält ist, unabhängig von der Entbindungsweise, einer der schönsten Momente im Leben. <3 Und meine Mama hatte Recht! Babys riechen sooooooo gut.

Schön war, dass wir ein Familienzimmer bekamen und uns so bereits im Krankenhaus als Familie zu dritt beschnuppern konnten. Zudem muss ich sagen, dass ich durch den Kaiserschnitt in den ersten 24 Stunden auf Hilfe angewiesen war. Ich hätte den Kleinen zum Stillen gar nicht allein aus dem Bettchen nehmen können und so war die Anwesenheit meines Mannes in diesen Tagen von großem Vorteil. Darüber hinaus war es ganz angenehem, nicht noch ein anderes Neugeborenes auf dem Zimmer gehabt zu haben. So konnte die nötige Ruhe einkehren – für alle Beteiligten. 🙂 Ein Familienzimmer kann ich daher nur empfehlen! Einfach vorab im Krankenhaus anfragen und dies in eurer Akte beim Geburtsvorgespräch vermerken lassen. Wenn die Kapazitäten da sind, werden die KH dies mit Sicherheit einräumen. Ist ja auch ein finanzieller Vorteil wenn das Bett nicht leer steht. 😉

Geburt Fjonn Theodor Elodie Eisvogel Mom Life

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2 Comments

  • Hallo liebe Elodie, vielen Dank für den schönen Geburtsbericht – ich bin ganz gerührt 🙂 durch Zufall bin ich auf deinen Blog gestoßen, weil ich auf der Suche nach Informationen zu dem wunderschönen Namen Fjonn bin. Auch wir wollen unseren Sohn, der in ein paar Wochen zur Welt kommt, so nennen. Ihr seid doch bestimmt noch immer sehr glücklich mit der Wahl, oder? Gab es viele überraschte Nachfragen in eurem Umfeld? War die Anmeldung beim Standesamt ohne Probleme? Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen! Liebe Grüße und alles Gute für euch! Judith

    • Liebe Judith. Sorry, dass ich mich jetzt erst zurück melde. Seit dem Nachwuchs steht der Blog in letzter Zeit etwas hinten an. ^^ Aber wie sagt man so schön: Besser spät als nie! 🙂
      Ja, wir sind rundum glücklich mit dem Namen. Klar, es gab auch negative Reaktionen auf den Namen Fjonn – oder sagen wir lieber er wurde belächelt seitens meiner Großeltern. 😉 Mich hat das aber keineswegs groß interessiert. Erstens kann die ältere Generation nur wenig mit neumodernen / fremden Namen etwas anfangen und zweitens war es nur wichtig ob mein Mann und ich uns bei dem Namen wohlfühlten. Und ja, das tuen wir noch immer! Kurz wurde auch die Aussprache des Namens diskutiert, da dieser in Irland als Finn gesprochen wird. Aber einen Finn wollten wir absolut nicht. Wir hatten uns mit Absicht einen aussergewöhlnichen Namen ausgeschaut. 🙂 Und davon mal ab, jedes Land spricht die Namen ja auch der Landessprache entsprechend aus. So ist eine Brigitte in Frankreich eine Brigit und in England eine Bridget. 🙂 Daher bleibt es für uns und in D ein Fjonn. 😀
      Ich hoffe eurem Wurm geht es gut und ihr habt ein wunderschönes Kennenlernen. <3
      Alles Liebe!! Elodie

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